Freitag Abend, 18:30. Sonnenuntergang über dem Bölle. Ich liebe diesen Start ins Wochenende. Auch wenn, wie gerade die Aussichten eher mau sind. Zu schlecht ist die Mannschaft in die Liga gestartet und man wird ja auch als Berufsoptimist irgendwann vorsichtiger.
Gegner heute ist Arminia Bielefeld. Selbst auch eher mittelgut gestartet und mit dem Ziel Klassenerhalt in die Saison gegangen. Für dieses Spiel gab es also keine Ausreden mehr: Das musste gewonnen werden – egal wie. Allerdings gilt auch: Gegen die Arminia haben wir die letzten 9 spiele nicht gewonnen – 7 Mal sogar verloren. Ganz so, als hätten wir unser gesamten Spielglück in einem Relegationsrückspiel verballert (bzw. optimal angelegt).
Ich hatte im Vorfeld geschrieben, dass auch Kohfeld unter Beobachtung steht: Ja, die Mannschaft ist noch nicht eingespielt, aber wenn man in jedes Spiel mit dem gleichen System geht macht man es den gegnerischen Trainern auch unnötig leicht. Wenn die Mannschaft das A-System eben noch nicht dominant auf den Rasen bringt, musst du ein B-System spielen. Oder Personal tauschen. Also z.B. hinten auf Dreier- bzw. Fünferkette umstellen oder vorne auf zwei Stürmer.
Und Kohfeld reagierte. Lee durfte vorne neben Smit ran. Hinten blieb es bei der Viererkette, der nachverpflichtete Mikelbrencis sass erst einmal auf der Bank, der in der letzten Woche ablösefrei zurückgeholte Richter startete auf der 10.
Nach dem Anpfiff zeigten die Lilien gleich, dass sie sich was vorgenommen hatten: Das Stadion war laut, die Lilien effektiv. In der dritten Minute gehts schnell durch die Mitte auf Weißhaupt, der in die Mitte auf Lee. 1:0. Der erste Schuss, direkt drin.
In der Folge überließen die Lilien der Arminia den Ball, die damit aber nichts anzufangen wussten. Die zwei Chancen, die sich doch ergaben wurden überhastet und kläglich vergeben. So blieb es zur Halbzeit bei einer relativ ungefährdeten 1:0 Führung.
In der zweiten Halbzeit ging das relativ nahtlos so weiter. Bielefeld mit Ballbesitz, die Lilien abwartend. Und relativ folgerichtig fand dann ein Schuss aus 20 Metern mal das Tor. 1:1.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Lilien im Anschluss wieder aktiver wurden und sich in der 85. Minute mit einem Elfmeter belohnten (nach Ecke), den Smit sicher verwandelte.
Dass die Nerven noch immer nicht ganz ruhig sind zeigte dann die 94 Minute. Bielefeld warf alles nach vorne, Darmstadt kommt zu einem Konter. Es laufen 4 blaue gegen einen Verteidiger. Und der Pass kommt zu spät, Smit scheitert am Torhüter. Zum Glück blieb das ohne Folgen, weil Bielefeld nicht mehr vors Tor kommt (auch wenn der Schiri zu den angekündigten 4 Minuten noch 3 Extraminuten drauf packte).
Puh. Heimsieg, Drei Punkte. Kohfeld rannte aufs Feld als wäre man im Pokal sensationell weitergekommen. Allen Beteuerungen zum Trotz, man habe den Umbruch einkalkuliert und so – man merkte, dass es auch für den Trainer wichtig war zu punkten und in Ruhe weiterarbeiten zu können.
Ich habe noch eine Beobachtung, die mir schon in den letzten Spielen aufgefallen war: Die Lilien gehen meist mit ordentlich Energie rein ins Spiel, aber spätestens ab der 60. Minute werden die Beine schwer. Bei Marco Richter mag das noch erklärbar sein, wenn er sich bis zwei Tage vorm Spiel noch selbst irgendwo fit gehalten hat. Aber der Mannschaft fehlt ein bisschen die Kraft. Ich hoffe sehr, dass Kohfeld mit den Jungs nicht nur Taktik und Mentalität trainiert, sondern auch ordentlich Kraft drauf packt. Wir werden es diese Saison brauchen.
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